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Den Migrationsprozess erfolgreich gestalten

6 Personen sitzen auf Bühne, Publikum hört ihnen zu
v. l. n. r.: Moderatorin Amira El Ahl, Dr. Elizabeth Beloe, Dr. Maren Koß, Sofie Geisel, Johannes Ebert und Prof. Dr. Olaf Bärenfänger | © Goethe-Institut / Louisa Summer

Eine gute Vorbereitung ist wichtig für eine erfolgreiche Migration von Neuzugewanderten nach Deutschland. Um Menschen aus unterschiedlichen Ländern das Ankommen in Deutschland zu erleichtern, weitet das Goethe-Institut seine vielfältigen und langjährigen Angebote in den Herkunftsländern sowie in Deutschland in diesem Kontext mit dem Projekt „Vorintegration und Übergangsmanagement - den Migrationsprozess erfolgreich gestalten.“ seit Mitte 2023 aus.  

Von Jasmin Cool

Knapp 70 Personen aus über 30 Ländern finden sich für mehr als zwei Wochen in München zusammen, um über eine Frage zu diskutieren: Was braucht es für ein gelungenes Ankommen von Zuwandernden und ihren Familien in Deutschland? Man lernt sich in einem Präsenzseminar kennen, bildet sich in Workshops zu Anerkennung von Berufsabschlüssen oder Antidiskriminierung weiter, tauscht Herausforderungen aus und bietet einander Unterstützung an. Doch was genau bringt sie zusammen?
 
Eine Gemeinsamkeit verbindet alle: das im Mai gestartete Projekt „Vorintegration und Übergangsmanagement - den Migrationsprozess erfolgreich gestalten.“ des Goethe-Instituts. Kofinanziert vom Asyl-, Migrations- und Integrationsfond (AMIF) der Europäischen Union werden Personen, die aus beruflichen oder privaten Gründen dauerhaft nach Deutschland migrieren möchten, bei der Vorbereitung auf das Alltags- und Arbeitsleben unterstützt. Dabei wird der gesamte Migrationsprozess durch Angebote im Herkunftsland bis zur Ausreise und der ersten Zeit in Deutschland abgedeckt. Längerfristiges Ziel ist es, dass Zuwandernde am gesellschaftlichen Leben in Deutschland teilhaben. Zum Angebot im In- und Ausland gehören Informationsveranstaltungen, interkulturelle Trainings und die Vermittlung von realistischen Vorstellungen, was die Zuwandernden in Deutschland erwartet. Durch die Angebote, die vor Ort als auch virtuell wahrgenommen werden können, sollen im Rahmen der Projektlaufzeit insgesamt rund 95.000 Personen erreicht werden.

Erweiterung der Vorintegration auf neue Regionen 

Um den oft schwierigen Migrationsprozess erfolgreich zu gestalten, war das Goethe-Institut im Bereich der Vorintegration bislang hauptsächlich in den Regionen Südosteuropa, Südostasien, Südamerika und Nordafrika/Nahost tätig. Die Standorte wurden nun von 18 auf insgesamt 61 ausgeweitet. Dabei gibt es erstmals Standorte in den Regionen Subsahara-Afrika, Nordamerika und Südasien sowie zusätzliche Standorte in Südamerika und Nordafrika/Nahost.

Neben dem Infohaus stehen zwei Personen Regionalkoordinatorin der Region Nordamerika Margaretha Weckenbrock und der deutsche Botschafter in Mexiko Wolfgang Dold mit einem Infohaus am Goethe-Institut Mexiko | © Goethe-Institut Mexiko Doch wie lief der Start in den neuen Regionen? „Die ersten Wochen im Projekt waren unglaublich intensiv, viele Sitzungen mit den verschiedenen Partnerinstitutionen haben stattgefunden. Es wurden erste Informationsveranstaltungen zum Leben und Arbeiten in Deutschland online veranstaltet. Die Teilnehmenden waren sehr interessiert und haben viele Frage zum Alltagsleben in Deutschland gestellt.“, berichtet Margaretha Weckenbrock, Koordinatorin für die Region Nordamerika mit den Standorten in Mexiko, El Salvador, Guatemala und Honduras. Die Region ist im neuen Projekt erstmalig vertreten. Zu den Herausforderungen gehören die Anpassung und die Bekanntmachung des Projekts in Mexiko, El Salvador, Guatemala und Honduras und die Unterschiede der Länder, wobei es doch viele Gemeinsamkeiten gibt.

Mit zehn neuen Standorten und siebzehn mitbetreuten Nachbarländern wurde auch in der Region Subsahara-Afrika die Vorintegrationsarbeit aufgenommen, erste Großveranstaltungen und Beratungen durchgeführt. „Wir haben großes Glück und sind dankbar, dass wir Länder und Regionen haben, von denen wir lernen können.“, berichtet Regionalkoordinatorin Lorianne Meyer. „Wir konnten Verfahren und Ideen aus Ländern wie Brasilien, Vietnam, Indonesien, Kairo, Tunesien und einigen Ländern Osteuropas übernehmen. Es ist sehr hilfreich, diese Art von Mentorensystem für neue Projektregionen zu haben.“ 

Eine Brücke bauen: Mit den Willkommenscoaches vom Herkunftsland bis nach Deutschland  

Im Rahmen des Teilprojekts Übergangsmanagement werden außerdem Standorte in Deutschland abgedeckt. Zur Optimierung des Übergangsmanagements nahmen ab Juli sechs Willkommenscoaches an den Goethe-Instituten in Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Göttingen, Mannheim und München ihre Arbeit auf. Lisa Beck ist eine von ihnen. Sie ist als Willkommenscoach in Mannheim dafür verantwortlich, Neuzuwandernde in die Integrationslandschaft des Bundes zu vermitteln. Doch was heißt das genau?
 
Die Willkommenscoaches stehen schon vor der Ausreise aus dem Herkunftsland zur Verfügung und erleichtern den Übergang der Zuwandernden von den Vorintegrationsangeboten im Ausland zu den Angeboten in Deutschland. Konkret bedeutet das, dass die Willkommenscoaches neben der Vermittlung in die bestehenden Integrationsangebote des Bundes, der Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern in Deutschland, wie beispielsweise Welcome Centern und Migrationsberatungsstellen, und der Weitervermittlung an Integrationskurse, eigene Veranstaltungen für Neuzugewanderte anbieten. Dabei reicht das Angebot auf goethe.de/willkommen von Informationsveranstaltungen über Workshops zum Leben und Arbeiten in Deutschland hin zu Mini-Sprachkursen.

Die Willkommenscoaches betreuen zusätzlich zu ihren Standorten verschiedene Regionen in Deutschland. Lisa Beck ist für Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und das Saarland zuständig. Sie steht im engen Austausch mit Partnern in der Region, zum Beispiel mit kommunalen Einrichtungen und Kooperationspartnern der Infohäuser. Als Expertin für diese Region gibt sie einen Überblick über die lokale Integrationslandschaft, vermittelt Neuzugewanderte an wichtige lokale Anlaufstellen und schafft Kontakt zu Menschen vor Ort.

„Die Netzwerkarbeit ist bereits angelaufen. Ich habe Kontakt zu den Kooperationspartnern in meiner Region geknüpft und verschiedene Infohäuser besucht. Auch das Angebot für Neuzugewanderte ist bereits gestartet und ich habe gemeinsam mit den anderen Willkommenscoaches erste Veranstaltungen durchgeführt. “

Ausbau der Angebote in Deutschland 

Auch bereits bestehende Angebote des Teilprojekts Übergangsmanagement werden in der aktuellen Projektlaufzeit ausgebaut: Für das Webportal „Mein Weg nach Deutschland“ werden neue Deutschübungsangebote für den Berufskontext sowie Inhalte zu wichtigen Themen wie etwa zum Umgang mit Diskriminierung entwickelt. „Mein Weg nach Deutschland“ ist aktuell auf 30 Sprachen, ergänzt durch Audio auf Deutsch und Gebärdensprachvideos, verfügbar und hält ein umfassendes Angebot für Neuzuwandernde bereit. Es wurde bereits vor zehn Jahren ins Leben gerufen und verzeichnete 2022 mehr als 900.000 Zugriffe.

Infohaus und fünf Frauen Eröffnung eines Infohauses in der Stadtbibliothek Schwäbisch Hall | © Goethe-Institut

Um das Webportal noch besser zugänglich zu machen, wird die Anzahl der deutschlandweiten Infohäuser, die in öffentlichen Einrichtungen im ländlichen Raum stehen, in der aktuellen Projektlaufzeit bis 2025 von 35 auf 50 erhöht. Hier können sich Neuzugewanderte neben der Nutzung des Webportals zu verschiedenen Themen informieren, im lokalen Integrationssystem orientieren und auf Veranstaltungen und Angebote der Willkommenscoaches hingewiesen werden. Zudem werden die Infohäuser künftig noch stärker in die Integrationsarbeit vor Ort eingebunden und als Veranstaltungs- und Vernetzungsort etabliert.

Austausch mit Politik, Wirtschaft und Wissenschaft zum Projektstart 

Doch zurück zum Präsenzseminar, das mit einer öffentlichen Abendveranstaltung den Raum für Input aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft öffnete. Beim Austauschforum „Den Migrationsprozess mit vereinten Kräften erfolgreich gestalten“ wurde einen Abend lang diskutiert, sich ausgetauscht und der Frage nach einem gelungenen Ankommen von Zuwandernden nachgegangen. Nach der Begrüßung von Verena Sommerfeld, Leitung Abteilung Sprache am Goethe-Institut, folgte ein Impulsvortrag von Dr. Hans-Eckhard Sommer, Präsident des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge, der die Relevanz des Goethe-Instituts als wichtigen Partner betonte und die Abdeckung des gesamten Migrationsprozesses durch das Projekt „Vorintegration und Übergangsmanagement - Den Migrationsprozess erfolgreich gestalten.“ als Alleinstellungsmerkmal herausgriff. Im Anschluss stellte Christoph Mohr, Leitung Bereich DaF-Vernetzung am Goethe-Institut, das Projekt genauer vor, welches das größte Vorintegrationsprojekt Deutschlands ist.
Menschen tauschen sich aus© Goethe-Institut / Louisa Summer
Dann lud Moderatorin Amira El Ahl die Gäste des Panels ein, die Bedeutung der Vorintegration und des Übergangsmanagements im Kontext des neues Fachkräfteeinwanderungsgesetzes zu diskutieren. Neben Johannes Ebert, Generalsekretär des Goethe-Instituts, war die Gesprächsrunde mit Sofie Geisel, Mitglied der Hauptgeschäftsführung der Deutschen Industrie- und Handelskammer, Prof. Dr. Olaf Bärenfänger, Direktor Sprachenzentrum der Universität Leipzig, Dr. Elizabeth Beloe, Vorsitzende des Bundesverbands Netzwerke Migrant*innenorganisationen e.V. (NeMO) und Dr. Maren Koß, Referentin im Arbeitsstab der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration und der Beauftragten der Bundesregierung für Antirassismus besetzt. Nach dem Panel wurde der Austausch fortgeführt, Herausforderungen wurden angesprochen, Schnittstellen identifiziert und Pläne für die weitere Zusammenarbeit geschmiedet, denn nur mit vereinten Kräften kann der Migrationsprozess erfolgreich gestaltet werden.

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