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Fußballfloskeln
Von Rudeln, Schwalben und Beton

Den Ball flach halten oder Beton anrühren – wer beim Fußball mitreden möchte, muss in Bildern sprechen können. Auf Goethe.de haben wir die schönsten Floskeln gesammelt – und sie ganz wörtlich genommen.

  • Den Ball flach halten Foto (Ausschnitt): © Till Laßmann

    Den Ball flach halten

    Wer den Ball flach hält, setzt auf Risikominimierung – im Fußball wie im Leben. Wenn wir den Ball flach halten, wollen wir die Übersicht behalten, wollen vorsichtig sein. Mit dieser Bedeutung hat die Fußballer-Floskel Eingang in den allgemeinen Sprachgebrauch gefunden. Denn bei flachen, kurzen Bällen ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie ihr Ziel erreichen. Vor allem Franz Beckenbauer hat sich dafür stark gemacht: „Flach spielen, hoch gewinnen!“ war das Erfolgsrezept von „Kaiser“ Franz.
  • Eine Schwalbe machen Foto (Ausschnitt): © Till Laßmann

    Eine Schwalbe machen

    Ursprünglich bezieht sich die Redensart darauf, dass sich jemand mit vorgestreckten Armen und leicht gespreizten Beinen fallen lässt – was an die Silhouette einer Schwalbe erinnert. Mittlerweile wird dieses Bild für jedes absichtliche Stolpern oder Hinfallen benutzt: Will ein Spieler vortäuschen, dass er vom Gegner gefoult wurde, macht er „eine Schwalbe“ und lässt sich geschickt fallen. Fällt das Täuschungsmanöver auf, kassiert der Schwalbenkönig eine Gelbe Karte. Andernfalls bekommt er einen Freistoß oder sogar einen Elfmeter.
  • Oh, oh Rudelbildung! Foto (Ausschnitt): © Till Laßmann

    Oh, oh Rudelbildung!

    Eigentlich bezeichnet der Begriff Rudel eine kleinere Gruppe von Säugetieren. Aber auch im Fußball kann es zur Rudelbildung kommen – meist nach harten Fouls oder umstrittenen Schiedsrichter-Entscheidungen. Äußerst erregt laufen die Spielenden auf den Schiri oder die Gegner zu, um ihrem Ärger Luft zu machen und das Geschehen lauthals zu diskutieren. Meist geht es dabei ziemlich ruppig zu – was der Schiedsrichter gar nicht gerne sieht. Denn Rudelbildung ist ein Regelverstoß, der mit einer Gelben oder sogar Roten Karte geahndet werden kann.
  • Die Mauer dirigieren Foto (Ausschnitt): © Till Laßmann

    Die Mauer dirigieren

    Vor direkten Freistößen, manchmal aber auch vor indirekten, stellen sich die Spieler der verteidigenden Mannschaft nebeneinander vor dem Tor auf, um den Ball abzuwehren – sie bilden eine „Mauer“. Der Torwart gibt laute Kommandos, um die Mauer so zu stellen, dass sein Kasten optimal geschützt ist – ein wenig nach rechts, dann wieder weiter nach links, eine richtige Zentimeterarbeit. Weil er dabei meist wild gestikuliert, sagt man auch, dass er „die Mauer dirigiert“.
  • Jemandem einen Knoten in die Beine spielen Foto (Ausschnitt): © Till Laßmann

    Jemandem einen Knoten in die Beine spielen

    Manche Fußballer sind so geschickt, dass der Gegner keine Chance hat, den Ball zu bekommen. Mit atemberaubender Geschwindigkeit wandert das Spielgerät dann von links nach rechts und wieder zurück. Wer so gut „dribbelt“ und seine Gegenspieler durch Körpertäuschungen zusätzlich verwirrt, spielt ihnen „einen Knoten in die Beine“. Der Argentinier Lionel Messi ist darin ein großer Künstler und lässt seine Gegner gleich reihenweise stehen.
  • Über die Flügel spielen Foto (Ausschnitt): © Till Laßmann

    Über die Flügel spielen

    Diese Floskel darf in keinem Spiel fehlen, vor allem, wenn noch kein Tor gefallen ist oder bei einem Rückstand. Aus Expertensicht liegt das oft daran, dass es die Spielenden immer wieder durch die Mitte versuchen, anstatt die gesamte Breite des Feldes zu nutzen. „Die sollen doch mal über die Flügel spielen“, rufen die Zuschauer dann – und tatsächlich ist es besser, auch an die Spieler zu denken, die an den Seitenlinien warten, also den „Flügeln“ des Feldes. Über die Flügel in Richtung Tor zu spielen, ist zwar kein generelles Erfolgsrezept, führt aber oft zu zusätzlichen Chancen und macht ein Match interessanter.
  • Beton anrühren Foto (Ausschnitt): © Till Laßmann

    Beton anrühren

    Diese Redewendung kommt zum Einsatz, wenn eine Mannschaft so defensiv spielt, dass für die Angreifer kaum ein Durchkommen ist. Fast alle Spielenden verteidigen dann den eigenen Strafraum. Bei den Zuschauern ist das nicht beliebt, denn ein richtiger Spielfluss kommt bei dieser Taktik nicht zustande. Meist wird sie angewendet, wenn eine Mannschaft knapp in Führung liegt und mit geballter Kraft ein weiteres Tor des Gegners verhindern will. „Jetzt rühren sie Beton an“, heißt es dann auf der Tribüne. Wer auf solche Betonfußballer trifft, ist gut beraten, auch mal „über die Flügel zu spielen“.
  • Die Brechstange rausholen Foto (Ausschnitt): © Till Laßmann

    Die Brechstange rausholen

    Eine Brechstange ist ein einfaches Werkzeug, um etwas aufzubrechen oder anzuheben. Wer etwas mit der „Brechstange“ durchsetzt, verfolgt sein Ziel ohne Rücksicht auf Verluste. Im Fußball wird die Metapher häufig benutzt, wenn eine Mannschaft versucht, mit allen Mitteln noch ein Tor zu schießen. Bei manchen K.o.-Spielen sieht man sogar den Torwart in Richtung des gegnerischen Strafraums laufen. „Jetzt holen sie die Brechstange raus“, heißt es dann bei den Fans, die solchen Einsatz ihrer Mannschaft oft zu schätzen wissen – auch wenn er meist auf Kosten von Taktik und Eleganz geht.
  • Den hätte sogar meine Oma reingemacht! Foto (Ausschnitt): © Till Laßmann

    Den hätte sogar meine Oma reingemacht!

    Wenn ein Stürmer frei vor dem Tor steht und den Ball aus drei Metern Entfernung trotzdem über die Latte haut, geht ein entsetzter Aufschrei durch das Stadion: „Den hätte sogar meine Oma reingemacht“, rufen die Fans und meinen damit: Selbst einem Spielenden mit zwei linken Füßen, einem totalen Laien oder einem gänzlich untrainierten Menschen wäre in einer solchen Situation ein Tor gelungen. Spätestens, wenn ein Spiel nach einer solchen Chance doch noch verloren geht, sind sich alle einig: „Da hätten sie den Sack zumachen müssen!“
  • Den Sack zumachen Foto (Ausschnitt): © Till Laßmann

    Den Sack zumachen

    Den Sack zuzumachen bedeutet, etwas erfolgreich zu beenden. Im Fußball wird diese Redewendung häufig benutzt, wenn eine Mannschaft geführt hat, am Ende aber doch verliert. Dann lassen Fans und Reporter gerne alle Chancen Revue passieren, die es angeblich gegeben hat und die unbedingt zu weiteren Toren hätten führen müssen. Ob diese Chancen tatsächlich so zwingend waren, sei dahingestellt. Aus Sicht der Fans ist aber klar: „Da hätten sie den Sack zumachen müssen“ – ob mit oder ohne Brechstange.

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