Gesellschaftsspiele
Lasset die Spiele beginnen!

„Lebendschach“ wird auch heute noch gerne gespielt: Die Figuren werden von echten Personen, zumeist in Kostümen, dargestellt. Die modernste Ausprägung ist das Cosplay Human Chess.
„Lebendschach“ wird auch heute noch gerne gespielt: Die Figuren werden von echten Personen, zumeist in Kostümen, dargestellt. Die modernste Ausprägung ist das Cosplay Human Chess. | Foto (Detail): © Adobe

In Deutschland werden mehr Brett- und Kartenspiele verkauft als in jedem anderen Land. Sie sorgen für Spaß, Abwechslung – und manchmal auch Scheidungen: von guter Laune und schlechten Verlierer*innen.

Von Sarah Klein

„Hat jemand Lust auf ein Spiel?“ Diese Frage kann der Auftakt zu einem wunderbaren Spieleabend sein – oder aber auch einen zünftigen Familienkrach heraufbeschwören, bei dem am Ende das Spiel in der Ecke liegt und mindestens ein Familienmitglied Türe schlagend den Raum verlässt. Wir haben uns die ikonischsten, dramatischsten und beliebtesten Spiele angesehen.

Mensch ärgere dich nicht

Ob der rote Spieler den gelben noch rauswerfen kann? Sollte die gewürfelte Drei von Rot stammen, dürfte Gelb jetzt schlechte Laune haben.
Ob der rote Spieler den gelben noch rauswerfen kann? Sollte die gewürfelte Drei von Rot stammen, dürfte Gelb jetzt schlechte Laune haben. | Foto (Detail): © Adobe/la_cucaracha
Der Klassiker: Deine Spielfigur steht direkt vor dem Haus, dir fehlt nur noch der eine, passende Wurf, und du bist drin oder hast gar gewonnen. Doch da kommt glatt dein Mitspieler des Weges, „wippt“ dich und befördert sich damit einfach wieder an den Anfang. Zum Ausflippen! Lange war man davon ausgegangen, dass die Ursprünge unseres heutigen „Mensch ärgere dich nicht“ im 6. Jahrhundert in Indien liegen, genauer im Spiel „Pachisi“. Bis es gelang, noch viel ältere babylonische Tontafeln zu entziffern – und siehe da, sie enthielten eine Spieleanleitung, die ähnlich aufgebaut ist. Die zugehörigen, 5.000 Jahre alten Spielbretter hatten Archäologen schon in den 1920er-Jahren im Irak und an anderen Ausgrabungsstätten ausgebuddelt. Allerdings konnte sich keiner einen Reim auf den Spielverlauf machen, bis endlich diese Anleitung auftauchte. Heute wird das „Königliche Spiel von Ur“ tatsächlich wieder gespielt. Unsere Variante hingegen geht auf Josef Friedrich Schmidt (ja, der von Schmidt Spiele, einem der ältesten Spielehersteller Deutschlands) zurück, der es 1907 für seine Kinder entwickelte.

Wer sich professionell (nicht) ärgern möchte, kann sich bei den Mensch-ärger-dich-nicht-Weltmeisterschaften austoben, die seit 2007 begangen werden. Wie die Spieleabende in der Antike endeten, ist bisher nicht überliefert, hierzulande schaffte es eine Freundesgruppe zuletzt 2019 in die Presse: Über eine (reichlich angetüdelte) Spielrunde gerieten sie so in Streit, dass es zu Handgreiflichkeiten und fliegenden Gegenständen kam. Erst die Polizei konnte wieder Ruhe in die Runde bringen: „Mensch, ärgert euch doch nicht!“

Die Alten: Backgammon, Schach, Dame

Das „Spiel der Könige“, Schach, erfreute sich unlängst Dank der Netflix-Serie „Das Damen-Gambit“ wieder eines regelrechten Booms.
Das „Spiel der Könige“, Schach, erfreute sich unlängst dank der Netflix-Serie „Das Damen-Gambit“ wieder eines regelrechten Booms. | Foto (Detail): © Adobe
Bleiben wir in der klassischen Spielesammlung: Neben „Mensch ärger dich nicht“ dürfen dort auch die Bretter für Schach, Dame und Backgammon nicht fehlen. Alle drei Spiele sind alt. Steinalt. Die (bisher) älteste gefundene Form eines Backgammonspiels datiert auf 3000 vor Christus, die Babylonier nannten es „Vibhitaka“. Aber auch bei den alten Ägyptern und Griechen kannte man das Spiel: Aufzeichnungen des antiken Dichters Homer besagen, dass sich während der Belagerung Trojas die Soldaten damit die Langeweile vertrieben. Die römischen Kaiser Cäsar und Augustus griffen ebenso zum Brett wie Napoleon Bonaparte und Martin Luther. Das „Spiel der Könige“, Schach, ist dagegen noch richtig jung, man vermutet die Entstehung irgendwann zwischen dem 3. und 6. Jahrhundert, vermutlich in China oder Persien. Die Faszination ist bis heute ungebrochen, die Netflix-Serie Das Damen-Gambit sorgte in der jüngsten Vergangenheit nochmal für einen richtigen Schach-Boom. Noch „jünger“ ist Dame: die spielt man erst seit dem 12. Jahrhundert.

Monopoly

Leider gibt es keine offiziellen Statistiken, wie viele Freundschaften über Monopoly zerbrachen, aber Konfliktpotenzial hat das Spiel allemal.
Leider gibt es keine offiziellen Statistiken, wie viele Freundschaften über Monopoly zerbrachen, aber Konfliktpotenzial hat das Spiel allemal. | Foto (Detail): © Adobe/U. J. Alexander
Kommen wir zum absoluten Klassiker: Monopoly – das Spiel, das Familien vereint und Freundschaften auf die Probe stellt! Eine Reise durch die Welt des Immobilienhandels, bei der selbst sanfteste Mitspieler*innen zum skrupellosen Tycoon werden. Geld wird gewonnen und verloren, Häuser werden gebaut und zerstört, und im Gefängnis landet man beizeiten auch. Monopoly, das Spiel, das uns lehrt, dass Reichtum und Bankrott oft nur einen Wurf voneinander entfernt sind. Anders als oftmals kolportiert, war es nicht der US-amerikanische Spieleverleger Charles Darrow, der von Langeweile geplagt das moderne Monopoly erfand. Nein, er klaute die Idee von Elizabeth Magie, die mit ihrem 1904 entwickelten „The Landlord’s Game“ eine Botschaft vermitteln wollte: Das Spiel sollte aufzeigen, dass Armut durch übermäßigen Reichtum einiger Monopolisten entsteht.

UNO und Mau-Mau

Die Welt vereint im UNO-Spiel: Varianten des beliebten Kartenspiels gibt es nahezu überall.
Die Welt vereint im UNO-Spiel: Varianten des beliebten Kartenspiels gibt es nahezu überall. | Foto (Detail): © Adobe/Acento Creativo
Ob Mau-Mau oder UNO – wer hat sich noch nicht darüber geärgert, dass man kurz vor Spielgewinn nochmal aussetzen oder Karten nachziehen muss? Beide Ablegespiele erfreuen (oder verärgern) uns seit Jahrzehnten, wobei die Anfänge von Mau-Mau wesentlich älter sind. Geschätzt wird die Entstehung auf die 1930er-Jahre, während die Erfolgsgeschichte von UNO erst in den 1970er-Jahren begann. Leicht zu transportieren, sind die Kartenspiele vor allem auf langen Bahnfahrten oder im Urlaub sehr beliebt. Varianten von Mau-Mau oder UNO werden im Grunde überall auf der Welt gespielt.

Trivial Pursuit

Bitte nicht wieder eine Sportfrage! Trivial Pursuit fordert Wissen aus allen Lebensbereichen.
Bitte nicht wieder eine Sportfrage! Trivial Pursuit fordert Wissen aus allen Lebensbereichen. | Foto (Detail): © Adobe
Ich weiß etwas, was du nicht weißt! Von Allgemeinwissen bis hin zu nerdigen Facts – Trivial Pursuit hat schon so manche*n Besserwisser*in auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Hier kann man zwar durchaus in den Bereichen glänzen, für die man sich interessiert, aber um das Spiel zu gewinnen, gilt es Wissensecken aus sechs unterschiedlichen Kategorien zu sammeln. 1981 entwickelt, gibt es heute unzählige Sondereditionen, unter anderem auch zu Harry Potter, Star Wars und Disney. Und jetzt testen wir doch mal euer Wissen zum meistverkauften Spiel der Welt: Wie sollte das Spiel ursprünglich heißen? (Antwort: What’s the Facts?) Auch im Weißen Haus spielt man Trivial Pursuit – unter welchem Präsidenten am meisten? (Antwort: Ronald Reagan)

Die Siedler von Catan

Tausche Schafe gegen Erz! Obwohl es von Kritiker*innen als zu komplex beurteilt wurde, traf das Spiel genau den Nerv der Spieler*innen.
Tausche Schafe gegen Erz! Obwohl es von Kritikern als zu komplex beurteilt wurde, traf das Spiel genau den Nerv der Spieler*innen. | Foto (Detail): © Adobe/Bernadette
Wer hätte das gedacht? Ausgerechnet das Spiel, das am Anfang kein Spielverlag haben wollte, ist selbst knapp 30 Jahre nach seiner Erstveröffentlichung noch immer ein Dauerbrenner. Ob als Duell oder Brettspiel – seit 1995 sind viele Menschen verrückt nach dem Handel mit Rohstoffen und Städteausbau. Mittlerweile wurde das Spiel in 42 Sprachen übersetzt und in 40 Ländern vertrieben. Der Entwickler Klaus Teuber konnte sich schon nach wenigen Jahren von seinem Zahntechnikerberuf verabschieden und war ab 1999 hauptamtlich als Spieleentwickler tätig. Als Teuber im April 2023 verstarb, hinterließ er eine treue Spiel- und Fangemeinde, und seine Siedler von Catan dienten als Inspiration für unzählige andere Strategiespiele.

Scrabble

Keine Orte, keine Eigennamen, keine Abkürzungen – wer bekommt als erstes seine Steine los?
Keine Orte, keine Eigennamen, keine Abkürzungen – wer bekommt als erstes seine Steine los? | Foto (Detail): © Adobe/Pixarno
„Das Wort gibt es nicht!“ Hat nicht jede*r dieses eine Familienmitglied, das während einer Runde Scrabble immer wieder mit neuen, fantasievollen Wortschöpfungen aufwartet? Um den Beweis der Nichtexistenz anzutreten, lag früher in vielen Familien immer der Duden oder ein Lexikon in Griffweite – heute reicht dazu das Smartphone. Entwickelt vom Architekten Alfred Mosher Butts während der Großen Depression in den USA der 1930er-Jahre, wurde das Spiel in den 1950ern zu einem der großen Spielehits und ist es bis heute geblieben.

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