Das italienische Kino darf nicht sterben

Barbara De Matteis, Celeste Casciaro, Laura Liccetta. Copyright: Cosimo Cortese„In grazia di Dio“: Barbara De Matteis, Celeste Casciaro, Laura Liccetta | © Cosimo Cortese
„In grazia di Dio“: Barbara De Matteis, Celeste Casciaro, Laura Liccetta | © Cosimo Cortese

Zwei Jahre nach dem Goldenen Bären für „Cäsar muss sterben“ gibt es bei der Berlinale 2014 keinen italienischen Film im Wettbewerb. Aber dafür fehlt es in den anderen Sektionen des Festivals nicht an wertvollen Filmen, die von der Krise (und ihren Lösungen) erzählen.

Valeria Golino wird der Star sein, Gianni Amelio der Zeremonienmeister, Edoardo Winspeare der Outsider.

Nach dem Triumph von Paolo und Vittorio Taviani mit Cäsar muss sterben, dem Goldenen Bären von 2012, schenkt der Wettbewerb für die renommierte Auszeichnung den Filmen aus dem Belpaese zum zweiten Jahr in Folge keine Beachtung. Dennoch fällt die Berlinale im Aufwind des internationalen Erfolgs des für den Oscar nominierten La Grande Bellezza alles andere als bescheiden für das italienische Kino aus. Denn in den anderen Sektionen fehlt es keineswegs an italienischen Filmen.

Im Panorama läuft In grazia di Dio, ein Film, der in Apulien spielt und mit Laiendarstellern und einem bescheidenen Budget gedreht wurde. Der Film des Regisseurs Edoardo Winspeare erzählt aus einer lokalen Perspektive von der Wirtschaftskrise. Der Niedergang eines Familienunternehmens führt zurück zu Tauschgeschäften und zu einem schlichten Leben, das vom Verhältnis zur eigenen Heimat geprägt ist.

Ein weiterer mit Spannung erwarteter Dokumentarfilm handelt von einer anderen Krise, die den Körper und die Identität betrifft. Möglicherweise handelt es sich hierbei aber um eine soeben gelöste Krise. Felice chi è diverso ist ein Film über Homosexualität im Italien des 20. Jahrhunderts, mit dem der Regisseur Gianni Amelio (Goldener Löwe in Venedig 1998 für Così ridevano) mit 69 Jahren seine sexuelle Orientierung offenbart.

Die italienische Präsenz bei der diesjährigen Berlinale ist damit längst nicht ausgeschöpft. Natural resistance in der Sektion Panorama Dokumente erzählt den täglichen Kampf der lokalen Weinkellereien in Italien.

I cavalieri della laguna von Walter Bencini zeigt eine intensive Reise zu den Fischern von Orbetello, die ihre Welt menschlicher Beziehungen wie fest verknüpfte, alte Fischernetze gegen wirtschaftliche und ökologische Bedrohungen verteidigen.

Über Il sud è niente, den Erstlingsfilm des vielversprechenden Fabio Mollo, werde ich in einem der nächsten Artikel erzählen.

Die letzte, unverzichtbare Erwähnung geht an Valeria Golino: Sie sitzt in der dreiköpfigen Jury für den besten Erstlingsfilm der 64. Ausgabe der Berlinale.

Gegen allen Anschein ist der italienische Film 2014 also lebendiger denn je.

Valerio Bassan
bloggt für Goethe.de/Italien von der Berlinale.

Copyright: Goethe-Institut Italien
Februar 2014

    Valerio Bassan wurde 1986 geboren und lebt heute als Journalist in Berlin und Mailand. Er hat mit Il Mitte die erste Online-Zeitung für Italiener in Deutschland gegründet, die es als Berlin- und Frankfurt-Ausgabe gibt. Er arbeitet mit Linkiesta, Pagina 99, The European und Harper’s Bazaar zusammen. 2013 brachte er das E-Book Tutta un’altra notizia heraus, das die Zukunft des Journalismus thematisiert.