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19:00 Uhr

Filme von Günter Peter Straschek

Filmvorführung

Günter Peter Straschek - Zum Begriff des 'kritischen Kommunismus' bei Antonio Labriola (1848-1904), Film Stills © Günter Peter Straschek

Die drei Kurzfilme von Günter Peter Straschek, die in Deutschland kaum verstanden, sogar verbannt und fast unbekannt sind, befassen sich mit dem Thema "Frauen und Sozialismus". Der Regisseur glaubt wie Marx (in einem Brief an Kugelmann vom 12. Dezember 1868): „Der gesellschaftliche Fortschritt lässt sich exakt messen an der gesellschaftlichen Stellung des schönen Geschlechts (die Häßlichen eingeschlossen).“ Straschek will also wissen, wie die soziale Stellung der Frauen in der Gesellschaft der 1960er Jahre und in den politischen und sozialistischen Bewegungen, denen er selbst angehört, aussieht. Das Ergebnis seiner Recherchen ist bissig.


Hurra für Frau E.

R: Günter Peter Straschek I 1967 I 7' I OV: GER / UT: EN

"Hurra für Frau E." aus dem Jahr 1967 ist eine sehr trockene Beschreibung des Lebens einer alleinerziehenden Mutter, die zur Prostitution gezwungen wird. Straschek, der nur eine Kamera ohne Schallisolierung zur Verfügung hat, macht aus der Not eine Tugend und konfrontiert die Bilder der Mutter, ihrer Kinder, eines Sozialarbeiters und einer Gemüsebäuerin mit ihren Aussagen aus dem Off (Frau E.) und in Direktton (die anderen).


Ein Western für den SDS

R: Günter Peter Straschek I 1968 I 23' I OV: GER / UT: EN

"Hurra für Frau E." ist bereits eine filmische Konstruktion. Dies gilt umso mehr für Strascheks nächsten Film, "Ein Western für den SDS", der um die Jahreswende 1967/68 in einer revolutionären Zeit entstand. Der Kameramann ist Holger Meins. Drei Sekretärinnen symbolisieren drei verschiedene Ebenen der Politisierung und ihren Kampf als Frauen in der sozialistischen Bewegung. Der Film, der auch Dokumente über die damaligen Aufstände, Gespräche oder auch Zitate von Cesare Pavese enthält, kann in seiner Härte kaum übertroffen werden. Von der Leitung der Deutschen Film- und Fernsehakademie konfisziert, wurde der "Western" bei der Präsentation von Strascheks Filmen in Köln vor vier Jahren wiederentdeckt.


Zum Begriff des 'Kritischen Kommunismus' bei Antonio Labriola (1843 - 1904)

R: Günter Peter Straschek I 1970 I 18' I OV: GER / UT: EN

Strascheks dritter und letzter Kurzfilm über den Komplex "Frauen und Sozialismus" ist der ironischste. "Zum Begriff des 'kritischen Kommunismus' bei Antonio Labriola (1848-1904)" aus dem Jahr 1970 zeigt in stilisierter und zugleich straub‘scher Manier Begegnungen zwischen revolutionären Frauen und Männern. Es werden Texttafeln eingeblendet. Nach dem Geschlechtsverkehr sagt ein zynischer Nackter im Bett zu seiner Geliebten: "Ich verstehe nicht, warum ihr immer noch auf unseren Trick mit der Emanzipation hereinfallt." Strascheks Sarkasmus und Radikalismus wurden damals weder von Konservativen noch von der Linken verstanden.


Mit anschließender Diskussion in englischer Sprache mit dem Filmkritiker Stefan Ripplinger. Er ist Autor mehrerer Essays zum Thema Film, darunter ein Bild-für-Bild-Kommentar zum "Western für den SDS"