Schnelleinstieg:

Direkt zum Inhalt springen (Alt 1) Direkt zur Hauptnavigation springen (Alt 2)

Deutsch lernen und lehren mit Memes
Meme-etisches Lernen

Meme
© Maximilian Weiß/Canva

Ein immer wieder auftauchendes Thema unter Praktiker*innen im Deutschunterricht ist die Frage, wie man seine Schüler*innen zeitgemäß erreicht und ansprechen kann. Memes können hier in verschie­denen Unterrichtskontexten ein geeignetes Mittel zur Wahl sein.

 

Von Maximilian Weiß

Gerade jüngere Menschen lieben sie und selbst auf etablierten Plattformen wie Microsoft Teams gibt es einen integrierten Meme-Generator, um die Kommunikation im Chat anzureichern und zu beleben. Der Kompetenz, lebendig und zeitgemäß kommunizieren zu können, kommt in der schulischen Sprachvermittlung ebenfalls ein zentraler Stellenwert zu. Also warum sollten Memes nicht Teil des Unterrichtsgeschehens sein?

Memes?!

Im Internet kursieren verschiedene Definitionen des Begriffs „Meme“, wobei immer hervorgehoben wird, dass ein Meme [ge­sprochen mi:m] eine humorvolle bis zynische Verbindung eines oft pop­kulturell bekannten Bildes oder kurzen Clips und zweier Text­blöcke in Aussage-Antwort-Struktur ist. Zurückzuführen ist das Wort auf Richard Dawkins, der Meme in Analogie zum Gen als eine Art kulturelles Erbe einführte, das sich als Idee verbreitet und dabei stets verändert und entwickelt. Und bei dieser Verbreitung treten schon zwei Elemente der heutigen (Internet-)Memes zutage: Vira­lität und Veränderbarkeit. Treffende Memes gehen in sozialen Netzwerken und Internet-Foren viral und erreichen so Menschen auf der ganzen Welt, die wiederum die einzelnen Elemente selbst aufgreifen, verändern und remixen können und sollen. Urheber­rechte sind der Meme-Kommunikation fremd. Was zählt, ist die Aktualität und der Esprit.

Koala Meme © Maximilian Weiß/imgflip

Das bedeutet aber nicht, dass ein Meme (wie hier der essende Koala) gänzlich auf eine Struktur verzichten würde. Oft findet sich am oberen und unteren Rand eines Bildes eine gut zu lesende, serifenlose Schrift. Der erste Textteil schafft eine Erwartung, die im zweiten als Pointe verletzt wird oder um einen witzigen oder kritischen Aspekt ergänzt wird. Das Bild hingegen hat eher eine text­unterstützende Funktion, indem es den beschriebenen Sachverhalt visualisiert oder auf emotionaler Ebene die Aussage verstärkt bzw. konterkariert. Im Falle des Koalas ist es die Mischung aus Über­raschung und gleichzeitigem Kauen, die der in der Frage geäußerten Ratlosigkeit ein Gesicht verleiht.

Allein schon die Kombination von Text und Bild mit der großen Bedeutung der Textkomponente und die übersichtliche „Grammatik“ machen Memes zu einem attraktiven Gegenstand des (Fremd-) Sprachenunterrichts. Doch es lassen sich noch weitere Aspekte ins Feld führen, die eine Beschäftigung im Unterricht attraktiv werden lassen.

Memes im Fremdsprachenunterricht

Ein großer Vorteil von Memes liegt für das Unter­richtsgeschehen auf der Hand, den Jan Szurmat folgendermaßen darstellt: „Viele der textlichen Gemeinsamkeiten betreffen grammatikalische Strukturen, die Ihren Schülern schon von den pol­nischen oder englischen Memes bekannt sind. Memes enthalten also fast immer ‚versteckte‘ Grammatikaufgaben. Für die Aufgaben an die Schüler kommen Grammatikfelder aus dem Unterricht, der Lernwortschatz oder verschie­dene Thematiken infrage.“ (Jan Szurmat, 21 kurze Unterrichtstipps/pearson.pl)

Meme © Maximilian Weiß/imgflip

Memes knüpfen also unmittelbar an das Vorwissen der Schüler*innen an und packen sie dort, wo sie sich selbstverständlich aufhalten – in sozialen Netz­werken und der Popkultur. Auch weitere plausible Gründe für den Einsatz von Memes lassen sich finden – die Textstrukturen sind einfach und somit auch schon für niedrigere Sprachniveaus zugänglich. Man fordert ferner die Kreativität der Jugendlichen bei der Gestaltung heraus und fördert damit nebenbei autonome Lernstrategien. Da die Formvorgaben recht schlicht und die Menge an ein­setzbaren Bildern nahezu grenzenlos sind (auch eigene Bilder können genutzt werden), kommen am Ende sehr wahrscheinlich Produkte heraus, die besprochen, kommentiert und auch ganz im Meme-Sinne verbreitet werden können (z.B. konkret im Klassenzimmer oder virtuell auf der Schulseite). Memes aktivieren durch ihre spezifische Optik und den Wiedererkennungswert Schüler*innen, fassen sie in ihrer Lebenswelt, lassen personalisiertes und in einem hohen Maße selbstgesteuertes Lernen zu und können handlungs- und produktorientiert genutzt werden.

Dass Memes eine attraktive Bereicherung des Unterrichts sein können, scheint plausibel. Offen bleibt aber das Wann und Wie der Meme-Nutzung. 
 

Meme © Maximilian Weiß/imgflip

Das Wie und Wann der Meme-Nutzung

Die obigen Memes zeigen verschiede Möglichkeiten für den Einsatz von Memes auf – Lehrkräfte können selbst aktiv werden und Memes zur spielerischen Bewertung von schulischen Leistungen nutzen (als zeitgemäße Variante von Aufklebern oder Stempeln). Oder aber (und vielleicht insbesondere) die Schüler*innen selbst können aktiv werden und zum Abschluss von Unterrichtseinheiten ein (humorvolles) Fazit ziehen. Das funktioniert sogar für eher trockene Themen wie Grammatik. Gelungene Beispiele finden sich zum Beispiel am Goethe-Institut Indien. Auch partizipativ können Memes genutzt werden, um gemeinsam Klassenregeln in Text und Bild zu fixieren. Selbst die Literaturbesprechung ist mittels Memes möglich (siehe hier). Auch für den Klassiker der Unterrichtsvisualisierung stehen sie zu Verfügung – Memes können selbstredend als Impuls zum (Wieder-)Einstieg in ein neues Thema genutzt werden. Eine besondere interessante Variante des Meme-Einsatzes stellt die „Meme-Wand“ dar. Die Lehrkraft gibt ein frei gewähltes Impulsthema vor und die Schüler*innen können selbständig ihre Überlegungen dazu beitragen und an einer Wand im Klassenzimmer aufkleben. Da Memes immer in einem Kreativitätswettbewerb stehen, entfaltet sich schnell ein positiver Wettbewerb, der die Schüler*innen zum Beitragen und Verbleib an der Wand einlädt. Und so wächst die Wand (und das (Sprach-)Wissen ums Thema). Ein herausragendes Beispiel einer „Meme-Wand“, das zum Stichwort „Techniker ist informiert“ um die Welt ging, fand sich übrigens an der Universität Mainz. Kurz zusammengefasst: auch im Wann und Wie bieten Memes ein sehr hohes Maß an Flexibilität, dass allen große Gestaltungsspielräume offenlässt.

Man muss es nicht so weit treiben wie im Drake-Meme unten, allerdings zeigt sich durchaus, dass im Einsatz von Memes viele Möglichkeiten für Lehrkräfte und Schüler*innen liegen, um den Unterricht zu beleben, Deutschlernen noch attraktiver zu gestalten und auch um gemeinsam über gelungene Beispiele lachen zu können. 

Meme © Maximilian Weiß/imgflip

Wer sich eingehender mit Memes beschäftigen möchte findet hier viele Informationen:  

Dagsson Moskopp, Niels / Christian Heller (2013): Internet-Meme: kurz & geek. Heidelberg: O’Reilly.
Dürscheid, Christa / Karina Frick (2016): Schreiben digital. Wie das Internet unsere Alltagskommunikation verändert. Stuttgart: Alfred Kröner.
Gehlen, Dirk von (2020): Meme. Digitale Bildkulturen. Berlin: Wagenbach.
Einen Überblick über die schier grenzenlose Zahl an Memes bietet: https://knowyourmeme.com

Memes kann man ganz leicht selbst erstellen! Hier eine kleine Auswahl an Meme-Generatoren:

Vollständig selbst erstellen ohne Extras/Vorlagen: https://meinmeme.de/
Mit vielen bekannten Vorlagen: Meme-Generator

Alle Memes wurden mit Meme Generator - Imgflip von Verfasser selbst erstellt und dürfen sehr gerne genutzt werden.
 

Top