Berlinale 2021
Keine Trennung nach Geschlechtern

Die für die Berlinale 2021 geplanten Änderungen hinsichtlich der von der internationalen Jury vergebenen Schauspielpreise bedeuten eine kleine Revolution. Die berühmten Silbernen Bären gehen künftig nicht mehr an den besten Darsteller und die beste Darstellerin, sondern werden für die beste schauspielerische Leistung in einer Hauptrolle und in einer Nebenrolle vergeben.
Von Lucia Conti
Die Entscheidung für die Verleihung genderneutraler Preise entspringe dem Wunsch, das Bewusstsein der Filmbranche für das Thema zu schärfen, erläutern Carlo Chatrian, künstlerischer Leiter des Festivals, und Mariette Rissenbeek, Geschäftsführerin der Berlinale.
Dass die Filmindustrie nach wie vor von Männern dominiert wird, ist eine Tatsache. Dennoch sind in der Branche auch zahlreiche Frauen aktiv – was nur normal ist, machen sie doch 50% der Weltbevölkerung aus. Und auch in der italienischen Community in Berlin gibt es viele Frauen, die versuchen, ihren Weg in der Filmwirtschaft zu gehen und sich dabei nicht nur mit den allgemeinen Herausforderungen der Branche, sondern auch mit Vorurteilen aufgrund ihres Geschlechts konfrontiert sehen.
Weniger vertreten, schlechter bezahlt, nur hier, um Probleme zu lösen.
Roberta Chimera
In diesem Zusammenhang zitiert Chimera die Studie von Elizabeth Prommer, Direktorin des Instituts für Medienforschung an der Universität Rostock, laut der „die Produzentinnen in der deutschen Film- und Fernsehbranche weniger Fördermittel erhalten und oftmals kleinere Budgets als die Produzenten haben, dabei aber wirtschaftlich erfolgreicher und künstlerisch mindestens genauso anerkannt sind wie ihre männlichen Kollegen.“

Dennoch bleibt Chimera optimistisch. Ihres Erachtens ist die Zahl der Initiativen, die aktiv versuchen, diese Schere zu schließen, in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Als Beispiel nennt sie die Konferenz Carla 2020, die vom internationalen Verein Women in Film and Television veranstaltet wurde. Darüber hinaus hält sie es für wichtig, dass die Berlinale bei der Programmgestaltung weiterhin zunehmend auf Diversität setzt.
„Filmfestivals spielen bei der aktiven Verbreitung alternativer Narrative allgemein eine wichtige Rolle, und die Berlinale gilt in diesem Bereich traditionell als besonders stark“, so Chimera. Ein Zugang, der populärer sein dürfte, als man meinen könnte: „Streaming-Plattformen wie Netflix, Amazon oder Hulu haben eindrucksvoll bewiesen, dass das Publikum kulturell aufgeschlossener ist, als man denkt.“
Trotz entsprechender Erfolge habe ich es im Vergleich zu männlichen Kollegen schwerer.“
Mara Martinoli

Wie Chimera spricht auch Martinoli im Namen aller in der Filmbranche tätigen Frauen. „Es geht hier nicht nur um Schauspielerinnen und Regisseurinnen, sondern auch um Frauen, die in der Produktion, Distribution oder für Festivals arbeiten. Um die Leute hinter den Kulissen, die Kino möglich machen, Schritt für Schritt, vom ersten Exposé bis zur Vorführung, oder ohne die am Set nichts geht. Auch bei wichtigen internationalen Preisverleihungen werden sie oft nicht einmal erwähnt.“
Wir müssen daran arbeiten, dass sich diese Situation verbessert.
Vielleicht gelingt es ja mit Hilfe der Berlinale.